Neujahrskonzert vom 01. Januar 2018, 16.00 Uhr Bericht aus der Süddeutschen Zeitung vom 02.01.2018

 

Konzert in Benediktbeuern An der schönen blauen Loisach

  

Das Publikum liebt ihn: Dirigent Timm Tzschaschel mit dem Salonorchester Bad Wiessee und dem Männerchor vom Tegernsee.

 Das "Salonorchester Bad Wiessee" unter Leitung von Timm Tzschaschel begeistert sein Publikum auch ohne original Wiener Walzerseligkeit

 

Von Sabine Näher, Benediktbeuern

 

Komplett ausverkauft: Das alljährliche Neujahrskonzert des Salonorchesters Bad Wiessee im Benediktbeurer Allianzsaal erfreut sich großer Beliebtheit. Und in diesem Jahr hatte Orchesterleiter Timm Tzschaschel eine zusätzliche Attraktion zu bieten: den Männerchor Liederkranz aus Tegernsee. Zu den beschwingten Klängen des Marschs "Wien bleibt Wien" zog die Schar der Herren mit Grandezza ein. Tzschaschel befeuerte seine Musiker vom Klavier aus; mit geradezu tollkühn auftrumpfender Klarinette ließen diese die Post abgehen. Ein Neujahrskonzert "fast wie in Wien" sollte es werden. Was die Programmzusammensetzung anbelangte, wurde nicht zuviel versprochen. Hinsichtlich der musikalischen Qualität bleibt indes zu konstatieren, dass Benediktbeuern eben doch nicht an der schönen blauen Donau, sondern an der Loisach liegt. Das dürfte nun nicht weiter überraschen - und so kann man sich dieser unumstößlichen Tatsache eingedenk getrost dem weiteren Konzertverlauf zuwenden.

 

Mit der Polka "Sängerslust" von Johann Strauß durften die Tegernseer loslegen. Der Text "Tralalalala - wer fröhlich singt und lustig tanzt" hätte allerdings ein wenig mehr Ausgelassenheit vertragen. Auch bei der folgenden "Neujahrspolka" hätten die Musikanten noch mehr aus sich herausgehen können. Das unisono ausgerufene Schlusswort "Prosit Neujahr!" kam indes so präzise wie bei den Wiener Philharmonikern. Tzschaschels Erklärung dafür, dass dieses Stück hier alljährlich auf dem Programm stehe: "Bis zum nächsten Mal haben Sie das eh wieder vergessen ..."

 

Darauf betrat die Gesangssolistin die Bühne: Bettina Schoeller, die Ehefrau des Dirigenten. "Jung san ma! Fesch san ma!" ließen Sängerin und Männerchor mit Überzeugung verlauten. Unweigerlich kam einem die Lebensweisheit "Jeder ist so alt, wie er sich fühlt" in den Sinn. Und hier fühlten sich eben alle, auf dem Podium wie im Saal, (wieder) jung. Kann man das Neue Jahr denn besser beginnen?

 

Hier wie in den folgenden acht Solonummern traf Schoeller den leichten Ton der Wiener Operette so akkurat, dass man vermuten konnte, sie sei tatsächlich Wienerin. Das trifft zwar nicht zu, aber sie war vier Jahre im Engagement an der Wiener Volksoper, wo sie sich den unverwechselbaren Tonfall aneignen konnte. Die Tegernseer Herren taten sich damit verständlicherweise weitaus schwerer, was den Dirigenten vor der Aufführung des berühmten Walzers "An der schönen blauen Donau" zu der Bemerkung veranlasste, die Textverständlichkeit sei entbehrlich: "Es geht um den Klang!"

 

Strauß' "Bauernpolka" ließ den Bauernstand als neckisches, gut aufgelegtes Völkchen daherkommen; wohl eher die Sichtweise des Städters. Der "Champagner-Galopp" ( früher am Ende des Konzerts angegangen, aber "da waren wir immer schon so ausgepowert") ist nun in dessen Mitte vorverlegt. Den Champagner hört man an der Spritzigkeit; der Galopp indes ist etwas gezähmt. Um gehaltvolle Getränke geht es auch im Sololied "Wenn man reinkommt in' Himmel": Von ihrem Mann als "liebenswürdiger Schluckspecht" angekündigt, verrät Bettina Schoeller, wo sich im Himmel der Weinausschank befindet: "Wenn ma neikummt, glei rechts." Zum Höhepunkt des ersten Teils wird der "Kaiserwalzer", vielleicht das bekannteste Werk Strauß' überhaupt. Tzschaschels Truppe gelingt ein schöner Spannungsaufbau, der sich schließlich schwungvoll entlädt.

 

Im zweiten Teil wechseln sich Solistin, Männerchor und Orchester wie gehabt ab. Besonderes Vergnügen scheint den Tegernseer Herren dabei der "Nachtschwärmer-Walzer" zu bereiten, obwohl es sich hier um wackere Zecher handelt, die nicht vom Heurigen heimkehren wollen. Doch da lassen sich wohl Parallelen zwischen Wein- und Biergenuss herstellen. Eine etwas uninspiriert-langatmige Angelegenheit wird dagegen der Walzer "Wein, Weib und Gesang": Da geht dann doch die Wiener Walzerseligkeit ab.

 

Nach zweieinhalb Stunden Programm bekommt das begeisterte Publikum - das schon im totalen Mitklatsch-Modus ist - noch zwei Zugaben. Ganz zum Schluss: der Radetzkymarsch. Benediktbeuern liegt an der Loisach.

 

 

 

 

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